KI macht uns kreativer. Wirklich.

Ich hab das ehrlich gesagt lange bezweifelt. Klar, KI hilft mir täglich, aber kreativer? Das klang nach Marketing-Sprech. Dann bin ich auf eine Studie der Universität Swansea gestoßen, die genau diese Frage mit über 800 Testpersonen untersucht hat. Das Ergebnis hat mich überrascht.

Die Teilnehmer sollten virtuelle Autos designen, unterstützt von einem KI-System namens MAP-Elites. Statt einen einzigen „optimalen" Entwurf zu liefern, zeigte das System eine breite Galerie: starke Ideen, schräge Konzepte und, absichtlich, auch schlechte Vorschläge. Alles nebeneinander.

Was ist dabei rausgekommen?
Die Leute mit dieser bunten Mischung arbeiteten länger, probierten mehr aus und lieferten bessere Ergebnisse. Der Trick war nicht die Qualität der KI-Vorschläge, sondern deren Vielfalt. Auch die „schlechten" Ideen hatten einen Effekt: Sie haben kreative Blockaden gelöst und dazu eingeladen, ungewöhnlichere Wege zu gehen.

Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Wenn ich in einem Projekt feststecke, hilft es manchmal, bewusst die falsche Richtung zu denken. Ein komplett überdrehtes Layout. Eine Farbwahl, die eigentlich nicht passt. Plötzlich sehe ich, was ich wirklich will.

Aber reicht KI als Inspirationsquelle?
Nein, nicht allein. KI ohne den richtigen Rahmen spuckt Einheitsbrei aus. Die Swansea-Studie macht deutlich, dass es auf die Art ankommt, wie KI Vorschläge präsentiert. Wer nur das „beste" Ergebnis bekommt, denkt auch nur in eine Richtung. Wer Vielfalt bekommt, denkt breiter.

Für mich als Designer ist das keine Überraschung, aber es ist schön, wenn Forschung bestätigt, was man intuitiv schon spürt. KI ist kein kreativer Autopilot. Sie ist eher ein guter Gesprächspartner, der auch mal Unsinn vorschlägt, und genau das ist oft der zündende Funken.

Die Studie wurde übrigens in den ACM Transactions on Interactive Intelligent Systems veröffentlicht. Trockener Titel, interessante Erkenntnisse.

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